Alle an einem Strang
Projekt soll in Colditz Kompetenzen von Verwaltung und Bürgerschaft vernetzen .
Die Veränderung soll "als Impuls für die Kulturregion und Verwaltungsebene wahrgenommen werden". So steht es im Fusionsvertrag der zum 1. Januar 2011 in die neue Stadt Colditz eingegangenen Kommunen. Mit dem Projekt "Colditz vereint - Zusammen die Zukunft gestalten" soll jetzt ein Schritt in diese Richtung unternommen werden.
25 Ortsteile und 9223 Einwohner umfasst die neue Stadt Colditz - viel Potenzial und Kompetenz auf Verwaltungs- wie Bürgerschaftsebene. Fakt ist aber auch: "Die Region ist aufgrund der Lage und verkehrstechnischen Anbindung sowie geschichtlichen Entwicklung nur wenig industrialisiert und in den zurückliegenden Jahren von Abwanderung und hoher Arbeitslosigkeit geprägt. Dadurch wachsen soziale Problemlagen und die Bereitschaft, sich am Gemeinwesen zu beteiligen, sinkt. Hinzu kommen Aktivitäten extremistischer Kräfte", beschreibt Ronny Kriz vom Bildungs- und Sozialwerk Muldental die Ausgangssituation. Ihn hat die Stadt als Projektkoordinator gewinnen können. Ressourcen aufzudecken, Kompetenzen zum Wohl der Stadt miteinander zu vernetzen, einer Stadt, mit der sich die Menschen identifizieren, sei deshalb Ziel des Projektes. Wie Bürgermeister Matthias Schmiedel im Stadtrat informierte, habe man dafür aus dem Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe" 86000 Euro an Fördermitteln erhalten.
Kriz will zur Entwicklung einer demokratischen Gemeinwesenarbeit verschiedene Akteure im Sozialraum Colditz zusammenführen: freie Träger, Mittelschule, Vereine, Kirche, Wirtschaft, Kommunalverwaltung und engagierte Ehrenamtliche. "Denn dieser Prozess kann nur gelingen, wenn er durch viele Bürger mit- und weitergetragen wird", betont Kriz. Er denkt dabei an einen "Runden Tisch", von dem aus weitere themenspezifische Teilprojekte erarbeitet, gemeinschaftlich umgesetzt und evaluiert werden. Denn an Problemen mangelt es nicht: "Wie können Fachkräfte an die Region gebunden, wie der Tourismus belebt werden? Wie kann die Jugend - zum Beispiel über ein Jugendparlament - besser an Problemlösungen beteiligt werden?", nennt der "Gemeinwesenarbeiter" nur einige mögliche Fragen, die es zu beantworten gilt. Als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft koordiniert Kriz übrigens nicht nur diesen Prozess "transparent und öffentlichkeitswirksam", wie er sagt, sondern organisiert für seine künftigen Mitstreiter auch entsprechende Fortbildungsveranstaltungen zu Themen wie Projektmanagement, Fundraising, Extremismus oder gibt Hilfestellung bei der Vereinsgründung.
Das Projekt ist bis Ende 2012 befristet, mit der Option, es bis Mitte 2013 zu verlängern. "Dann könnte es vielleicht von einer Bürgerstiftung weitergeführt werden", blickt Kriz schon mal in die Zukunft.
LVZ, Ines Alekowa |