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Sogar Johan Friedrich Böttger laborierte mit der
Colditzer weißen Erde
Der gute Colditzer Ton war von alters her weithin bekannt. Auch der des sprichwörtlichen gegenseitigen Umganges. Die Colditzer weiße Erde galt als Synonym für guten Ton überhaupt. Nicht nur die hiesigen Töpfer verwendeten ihn, sondern auch die Bunzlauer, Waldenburger und Hubertusburger. Sogar der berühmte Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Johann Friedrich Böttger laborierten 1707 damit, in der Hoffnung, hinter das Geheimnis der Porzellanherstellung zu gelangen. Dr. Bartholomäi, ein Mitglied der 12-köpfigen Forschungsgruppe, die in der Dresdner Jungfernbastei (der späteren Brühischen Terrasse) im Auftrage Augusts des Starken zielgerichtet an der Porzellanerfindung arbeitete, suchte im Lande nach geeigneten Rohstoffen. In Waldenburg
stellte er fest: "Die weisen Knöpfigen oder Zierathen, so auff diese Gefäße gemachet, werden alle von Colditzer Erden auff getrücket." Oberhaupt waren die Waldenburger Töpfer wahrscheinlich technisch am weitesten. Sie wandten bereits den Zwei-Stufen-Brand an und erzielten bei mehr als 1000 Grad einen ungewöhnlich harten, wasserdurchlässigen, und in Verbindung mit besonderen Kaolinen einen weißbrennenden Scherben.
Die Colditzer Töpfer befriedigten hauptsächlich den Geschirrbedarf der hiesigen Bevölkerung. Ihre bescheidenen Behausungen dienten als Werkstatt und Wohnung zugleich. Sie befanden sich wegen der Gefährlichkeit der Brennöfen außerhalb der Stadtmauer, in der Töpfergasse. Für den Verkauf der irdenen Ware wurde ihnen ein besonderer Platz zugewiesen; der Topfmarkt. Indessen kam man in Dresden dem ersehnten Ziel immer näher. Im Januar 1708 schlug wohl die Geburtsstunde des europäischen Hartporzellans. Eine Protokollaufzeichnung, geschrieben von Dr. Bartholomäi, belegt dass es am 15. Januar 1708 gelungen war, weiße, durchscheinende Probeblättchen zu je 60 Gramm Gewicht herzustellen. Der Masseversatz bestand aus Colditzer Ton (Kaolin), Freiberger Kalkspat und Quarz sowie Alabaster aus Nordhausen. Später kam die Schnorr'sche Erde aus Aue hinzu. Doch die richtige Massezusammenstellung allein hätte nicht zum Erfolg geführt. Freiberger Hüttenleute mussten neuartige Öfen konstruieren, die den ungewöhnlich hohen Brenntemperaturen (bis 1400 Grad) standhielten. Zur Herstellung der dafür notwendigen Ziegel wurde ebenfalls Colditzer Ton verwandt. Im März des gleichen Jahres wies König August das Colditzer Amt an "2000 Centner puren Thon, so nicht mit Erde oder Sandt vermenget" in die Forschungsstätte nach Dresden zu bringen.
Eigentlich hätten sich die Colditzer Stadtgewaltigen ob eines solchen ehrenwerten Auftrages geschmeichelt fühlen müssen. Doch standen sie dem Porzellanprojekt skeptisch gegenüber und befürchteten erhebliche Belastungen für die Stadt. Deshalb verfassten sie eine Eingabe: "Es gäbe hier vielerlei
Tone: den blauen für Tabakspfeifen, den sandigen für Töpfer, den glatten zum Grauwerk und den weißen zum Malen und Anstreichen. Wenn weißer in Betracht käme, mussten neue
Fundstätten auf der Flur Terpitzsch erschlossen werden, den Bauern Felder abgekauft und eine Straße verlegt werden. Der Ton müsse gesiebt, geschlämmt, durch Leihwandtücher geschlagen, entwässert und in Fässern verpackt werden. All das verteure die Sendung. Außer
den Gräberlöhnen würden die Fahrtkosten nach Dresden allein 1000 Taler betragen. Ob das die Sache wert sei? Trotz alledem sei man bereit, dem königlichen Befehl Folge zu leisten und zunächst 50 Zentner aus den Vorräte zum Preis von 4 Groschen der Zentner auf der Poststraße Waldheim-Nossen nach Dresden zu senden. Allerdings musste sich Dr. Bartholomäi zweimal nach Colditz bemühen, bevor die Lieferungen in Gang kamen. Insgesamt sind aus der Grube zwischen Colditz und Terpitzsch fast 18000 Zentner, zuerst in der Elbmetropole, später in Meißen zu Ziegel, Kapseln und Kacheln verarbeitet worden. Die etwa 600 vierspännigen "Ambtsfuhren" dorthin meist "umsonst". Mit Gründung der "Steingutfabrik Thomsberger & Hermann, Colditz" 1804 endeten im wesentlichen die
Lieferungen der weißen Erde nach Dresden und Meißen. In Colditz aber begann nun die Nutzung des wertvollen heimischen Rohstoffs in immer stärkerem Maße.
Quellen:
"J.F. Böttger". Klaus Hoffmann,
"J.F. Böttger" Edition Leipzig, Autorenkollektiv.
"700 Jahre Stadt Colditz " Walter Rinkefeil.
Wolfgang Stadler
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